EIN HAUS · DREI BEISPIELRÄUMEJeder bekommt, was er braucht.
Schlafzimmer500 Watt benötigt
43Liter / Stunde
Wohnzimmer1.000 Watt benötigt
86Liter / Stunde
Bad750 Watt benötigt
65Liter / Stunde
Gleiche Temperaturdifferenz von 10 Grad, unterschiedliche Wassermengen. Gerundete Rechenbeispiele, keine Vorgaben für diese Raumarten.
01 / VERSTEHEN
Warmes Wasser verteilt sich nicht automatisch richtig.
Stellen Sie sich zwei Heizkörper an derselben Pumpe vor. Durch den einen Weg kommt das Wasser leicht hindurch. Im anderen bremsen zum Beispiel längere oder engere Rohre und Armaturen stärker. Dann kann der erste Heizkörper zu viel Wasser bekommen, während dem zweiten etwas fehlt.
Die Pumpe höher zu stellen kann den schlecht versorgten Raum wärmer machen. Gleichzeitig steigt der Druck auch an den anderen Ventilen. Das kann Strom kosten und Strömungsgeräusche verursachen.
WAS DER ABGLEICH ÄNDERT
Die Wege werden aufeinander abgestimmt.
Sie ermitteln den benötigten Durchfluss und begrenzen ihn an den passenden Stellen. Dazu stimmen Sie Pumpe und Heizwassertemperaturen auf die Anlage ab.
Das Ziel ist die passende Versorgung jedes Raums. Nicht jeder Heizkörper braucht dieselbe Wassermenge.
Und die „3“ am Thermostat?
Damit wählt der Bewohner seine gewünschte Raumtemperatur. Die Voreinstellung am Ventil begrenzt dagegen den Durchfluss. Das sind zwei verschiedene Aufgaben. Alle Thermostatköpfe auf „3“ zu drehen ist kein hydraulischer Abgleich.
02 / DIE GRUNDLAGEN
Vier Fragen. Dann lässt sich rechnen.
Am Anfang stehen Angaben zum Raum und zur vorhandenen Anlage. Jeder Wert beantwortet eine konkrete Frage.
1
Wie viel Wärme braucht der Raum?
Die Raumheizlast sagt, welche Heizleistung an einem festgelegten kalten Wintertag nötig ist, um die gewünschte Raumtemperatur zu halten. Sie steht in Watt. Das ist etwas anderes als der jährliche Verbrauch in Kilowattstunden.
Dafür wichtig: Raumgröße, Außenwände, Fenster, Dämmung, angrenzende Räume, Luftwechsel sowie die angesetzten Innen- und Außentemperaturen.
2
Kann die Heizfläche diese Wärme abgeben?
Beim Heizkörper zählen Bauart, Typ, Höhe, Länge und die geplanten Wasser- und Raumtemperaturen. Ein Typ 22 enthält zwei wasserführende Platten und zwei Konvektorbleche. Die sichtbare Vorderfläche allein beschreibt seine Leistung also nicht.
Bei Fußbodenheizung: Beheizte Fläche, Rohrabstand, Bodenaufbau und Bodenbelag beeinflussen die Wärmeabgabe. Die zugehörigen Kreise müssen bekannt sein.
3
Bei welchen Temperaturen soll die Anlage arbeiten?
Vorlauf ist das Wasser auf dem Weg zur Heizfläche, Rücklauf das abgekühlte Wasser zurück. Ihre Differenz heißt Spreizung. 45 °C hinein und 35 °C zurück ergeben 10 Grad Unterschied, fachlich 10 Kelvin oder 10 K.
Verwenden Sie die geplanten Auslegungswerte. Eine zufällige Momentaufnahme am Heizungsdisplay ersetzt sie nicht.
4
Wie gelangt das Wasser dorthin?
Benötigt werden die Zuordnung zu Heizkreis und Pumpe, die Rohr- und Reglerdaten sowie der genaue Ventiltyp. Bei Fußbodenheizung gehören die einzelnen Rohrkreise mit ihren Längen dazu.
Bei fehlenden Angaben: Unterlagen prüfen, Bauteile identifizieren und nur geeignete, begründete Näherungen verwenden. Eine unbekannte Ventilbaureihe lässt sich nicht durch einen beliebigen Katalogtreffer ersetzen.
Wie entsteht die Raumheizlast?+
Vereinfacht werden die Wärmeverluste durch Wände, Fenster, Decke und Boden sowie durch den Luftwechsel berechnet und zusammengeführt. Eine gut gedämmte Fläche verliert bei gleichen Temperaturen weniger Wärme als eine schlecht gedämmte.
Nur eine Außenwand als Beispiel: 30 m² Wand × 0,5 W/(m²·K) Wärmedurchgang × 30 K Temperaturunterschied = 450 W Wärmeverlust. Der Wärmedurchgangswert – kurz U-Wert – beschreibt, wie leicht Wärme durch das Bauteil gelangt.
Das ist erst der Beitrag dieser Wand, noch keine vollständige Raumheizlast. Weitere Bauteile, Wärmebrücken, Luftwechsel und die jeweiligen Randbedingungen kommen hinzu.
Für Verfahren B bildet eine raumweise Heizlastberechnung die Grundlage. Verfahren A arbeitet mit vereinfachten Abschätzungen. Beide erfordern anschließend passende Einstellungen an der Anlage. Eine vorhandene Planung kann verwendet werden, wenn sie zum tatsächlichen Gebäudezustand passt. Vertiefung: VdZ-Fachregel, Kapitel 1 und 2 (07/2022) ↗
03 / EINMAL SELBST NACHRECHNEN
Aus 1.000 Watt werden rund 86 Liter pro Stunde.
Unser Beispielraum braucht 1.000 Watt. Ein einzelner, dafür geeigneter Heizkörper soll diese Leistung bei 45 °C Vorlauf, 35 °C Rücklauf und 20 °C Raumtemperatur abgeben.
Das Wasser trägt die Wärme.
Ein Liter Wasser gibt beim Abkühlen um ein Grad ungefähr 1,16 Wattstunden Wärme ab. Bei zehn Grad sind es rund 11,6 Wattstunden. Um jede Stunde 1.000 Wattstunden zu liefern, brauchen wir deshalb etwa 86 Liter pro Stunde.
Benötigter Durchfluss in Liter pro StundeHeizleistung ÷ (1,16 × Spreizung)
1.000 ÷ (1,16 × 10) ≈ 86,2 l/h
Näherung für Heizungswasser: Dichte rund 1 kg/l, Wärmekapazität rund 1,16 Wh/(kg·K). Für Gemische mit Frostschutz gilt dieser Faktor nicht unverändert.
LERNBEISPIEL · KEINE ANLAGENAUSLEGUNG
Was ändert sich, wenn …?
RECHNERISCH BENÖTIGT
1,44 l/min · 10 K Spreizung
Der Rechner zeigt nur den Wärmetransport. Er prüft weder Heizkörperleistung noch Ventil oder Pumpe.
Halbe Spreizung – doppelte Wassermenge.
Bei 1.000 Watt und nur 5 K sind rechnerisch rund 172 l/h nötig. Die benötigte Heizleistung bleibt dieselbe. Ob der Heizkörper diese Leistung bei den neuen Temperaturen tatsächlich abgibt, muss separat geprüft werden.
Hat der Raum zwei Heizkörper, teilen sie sich die benötigte Leistung entsprechend der Planung. Die gesamte Raumheizlast darf nicht jedem Heizkörper noch einmal zugeteilt werden.
04 / VOM RECHENWERT ZUR ANLAGE
86 Liter stehen fest. Was stellen Sie jetzt ein?
Hier wird der Abgleich aufwendiger: Die Wassermenge allein sagt noch nicht, welche Zahl am Ventil eingestellt werden muss.
VOREINSTELLBARES VENTIL
Den passenden Einstellwert ermitteln.
Bei einem klassischen Ventil hängt der Durchfluss von der Öffnung und vom Druckunterschied über dem Ventil ab. Sie brauchen daher den genauen Ventiltyp, die verfügbare Druckdifferenz und die passende Herstellertabelle oder Kennlinie.
„86 l/h = Stellung 3“ gilt nicht allgemein. Eine „3“ kann bei einer anderen Baureihe einen anderen Durchfluss bedeuten.
VENTIL MIT DURCHFLUSSBEGRENZUNG
Den benötigten Durchfluss vorgeben.
Ein passendes dynamisches Ventil begrenzt den Durchfluss auf den vorgegebenen Wert, auch wenn sich der Druck verändert. Die Einstellung erfolgt nach Herstellerangabe, gegebenenfalls über eine Skala.
Auch dieses Ventil braucht ausreichend Druck. Es arbeitet nur innerhalb seines zulässigen Durchfluss- und Druckbereichs. Herstellerbeispiel: IMI AFC ↗
Unbekanntes Ventil? Erst zuordnen.
Kennzeichnung, Bauform und passende Herstellerunterlagen prüfen. Ein Foto hilft beim Festhalten der Merkmale, ist aber allein noch kein sicherer Typnachweis. Zur bebilderten Hilfe „Ventil erkennen“ →
Und was passiert mit Pumpe, Fußbodenheizung und MFH?+
Die Pumpe versorgt ihren Heizkreis.
Die benötigten Durchflüsse der von ihr versorgten parallelen Wege werden zusammengeführt. Für den Druck zählt der hydraulisch ungünstigste benötigte Fließweg. Die Druckverluste aller parallelen Wege werden dafür nicht einfach addiert.
Die Förderhöhe überwindet die Strömungswiderstände im geschlossenen Heizkreis. Sie ist weder die Gebäudehöhe noch der Fülldruck am Manometer. Die Regelungsart wird passend zu Anlage und Ventilen gewählt.
Fußbodenheizung: jeden Rohrkreis zuordnen.
Ein Raum kann mehrere Kreise haben. Seine Leistung wird auf diese aufgeteilt; die Zielwerte stehen häufig in Litern pro Minute. Länge und Rohrdurchmesser beeinflussen den Widerstand. Alle Schaugläser auf denselben Wert zu stellen ist deshalb keine allgemeine Lösung.
Mehrfamilienhaus: Wohnung und Heizkreis getrennt denken.
Bei acht Wohnungen, zwei Heizkörperkreisen mit je einer Pumpe und einem Dachgeschoss mit Mischer und eigener Fußbodenheizungspumpe gibt es drei getrennt zu betrachtende Pumpenkreise. Die Wohnung beschreibt den Ort. Der Heizkreis beschreibt die Versorgung. Beides muss eindeutig zugeordnet sein.
Eine Einrohrheizung braucht wiederum die Betrachtung des Rings mit seiner Reihenfolge und Abkühlung. Sie wird nicht wie eine Zweirohrheizung behandelt. Fachliche Vertiefung: VdZ-Fachregel, Kapitel 3–5 ↗
So wird aus der Planung eine ausgeführte Arbeit.
Anlage und Angaben abgleichen.
Stimmen Räume, Heizflächen, Ventile und Heizkreise mit der Planung überein? Luft, klemmende Ventile oder andere erkennbare Störungen zuerst klären.
Vorgaben an den Bauteilen umsetzen.
Ventile beziehungsweise Verteiler nach Herstelleranleitung einstellen. Pumpenregelung und Heizkurve passend abstimmen. Die Heizkurve legt fest, wie warm das Wasser bei welcher Außentemperatur sein soll.
Funktion prüfen und nachstellen.
Versorgung und Geräusche prüfen. Raumtemperaturen brauchen Zeit; bei mildem Wetter lässt sich der kälteste Auslegungsfall nicht vollständig erproben. Einen erforderlichen späteren Kontrolltermin festhalten.
Tatsächliche Einstellungen dokumentieren.
Sollwerte, ausgeführte Einstellungen, Pumpen- und Temperaturvorgaben sowie offene Punkte übergeben. Thermostate anschließend für den normalen Betrieb nutzen. Ein Ausdruck allein bestätigt keine ausgeführte Einstellung.
05 / DAS ERGEBNIS BEIM KUNDEN
Passend warm. Mit nachvollziehbaren Einstellungen.
°
Die gewünschte Wärme erreicht die Räume.
Eine hydraulische Unterversorgung lässt sich beheben. Das verbessert den Komfort, wenn Heizflächen und Wärmeerzeuger ausreichend Leistung haben.
≈
Weniger unnötiger Druck und Durchfluss.
Strömungsgeräusche können abnehmen, wenn ihre Ursache hier liegt. Eine passend eingestellte Pumpe kann weniger Strom benötigen.
↘
Chancen auf niedrigere Heiztemperaturen.
Reichen die Heizflächen aus, können passende Einstellungen eine niedrigere Vorlauftemperatur ermöglichen. Davon profitieren besonders Wärmepumpen.
Das hängt vom Ausgangszustand ab. Wer vorher schon gut versorgt war, hat weniger Verbesserungspotenzial. Werden bislang kalte Räume endlich warm, kann ihr zusätzlicher Wärmebedarf Einsparungen aufheben.
Eine feste Prozentzahl wäre ohne Nachweis unseriös. Für einen brauchbaren Vergleich müssen unter anderem Wetter, Raumtemperaturen und Nutzung berücksichtigt werden. Der unmittelbare Wert der Arbeit sind die abgestimmte Versorgung und nachvollziehbare Einstellungen.
06 / FÜR DEN AUSFÜHRENDEN BETRIEB
Was können Sie in Rechnung stellen?
Sie bieten Aufnahme, Planung, Einstellung und Dokumentation an. Welche Leistungen zum Auftrag gehören und wie sie vergütet werden, vereinbaren Sie mit dem Kunden.
So wird der Leistungsumfang verständlich.
Unterlagen und Heizlast
Vorhandene Berechnung übernehmen und auf Plausibilität prüfen. Eine neue raumweise Heizlast ist eine zusätzliche Leistung, wenn sie benötigt und beauftragt wird.
Aufnahme und Berechnung
Heizflächen, Ventile und Versorgung erfassen. Leistung prüfen, Durchflüsse berechnen sowie Ventil- und Pumpeneinstellungen ermitteln.
Einstellung und Abschluss
Die Anlage einstellen, Funktion prüfen, tatsächliche Werte dokumentieren und dem Kunden die Bedienung erklären.
Zusätzlicher Aufwand
Zum Beispiel Ventiltausch, Material, Entleeren und Befüllen, weitere Anfahrten oder vereinbarte Kontrolltermine. Solche Arbeiten vorher im Umfang und Preis klären.
Schon enthaltene Leistungen nicht noch einmal berechnen. Einen bloßen PDF-Import nicht als neu erstellte Heizlast ausweisen. Bei Stundenabrechnung zählen die tatsächlich geleisteten abrechenbaren Zeiten; eine vereinbarte Pauschale bezieht sich auf den vereinbarten Leistungsumfang.
Vergütung und fehlende Preisvereinbarung: § 632 BGB. Auch ein Kostenvoranschlag ist im Zweifel nicht gesondert zu vergüten.
MUSTERKALKULATION · EIGENE ANNAHMEN
Ein EFH mit zwölf Heizkörpern.
Ein Pumpenkreis, passende vorhandene Ventile, freie Zugänglichkeit und eine brauchbare raumweise Heizlast liegen vor. Kein Ventiltausch, keine neue Heizlastberechnung.
Angenommen sind 85,00 € netto je Arbeitsstunde. Das ist ein betrieblicher Verrechnungssatz einschließlich Gemeinkosten und Gewinn – kein Mitarbeiterlohn und keine Preisempfehlung.
Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat 160 Wärmepumpenangebote für Ein- und Zweifamilienhäuser aus Oktober 2024 bis Mai 2025 ausgewertet. Bei 101 Angeboten war der hydraulische Abgleich preislich auswertbar: 238 bis 2.660 € brutto, im Mittel 1.159 €. Der mittlere Wert der sortierten Angebote, der Median, betrug 1.098 € brutto.
Die Leistungen und die Zuordnung von Montagekosten unterscheiden sich. Deshalb sind besonders die Extremwerte nur eingeschränkt vergleichbar. Das ist ein beobachteter Angebotsbestand von 2025, keine allgemeine Preisliste für 2026 und keine MFH-Kalkulation.
Ein Mehrfamilienhaus braucht eine eigene Kalkulation.
Zählen Sie Heizflächen, getrennte Pumpenkreise und notwendige Wohnungsbesuche. Prüfen Sie Unterlagen und Zugänglichkeit. Acht Wohnungen bedeuten weder automatisch den achtfachen EFH-Aufwand noch einen einzigen Einstelltermin. Der Softwarepreis ist nur ein Teil Ihrer betrieblichen Kosten.
07 / HIER SETZT ABGLEICH PRO AN
Die Heizlast liegt vor. Arbeiten Sie damit weiter.
Räume und Werte erneut abzutippen kostet Arbeit, obwohl die Berechnung schon gemacht wurde.
Abgleich Pro übernimmt erkannte Raumdaten aus einer vorhandenen digitalen Heizlast-PDF. Sie vergleichen die Angaben mit dem Original und korrigieren fehlende oder falsch zugeordnete Werte.
Danach bleiben Wohnungen, Räume, Heizflächen, Ventile und tatsächliche Einstellungen im selben Projekt. Büro und Baustelle arbeiten am gemeinsamen Auftrag. Die Unterlagen entstehen aus den dort dokumentierten Daten.
VORHANDENE PLANUNG WEITERNUTZEN
Übernehmen und prüfenRäume und Heizlasten aus Ihrer PDF.
Vor Ort ergänzenHeizflächen, Ventile und offene Fragen.
Einstellen und festhaltenSollwerte und tatsächliche Ausführung getrennt.
Der Import erstellt keine neue Heizlast und ersetzt keine Prüfung vor Ort. Der Standardimport braucht eine digitale PDF mit lesbarem Text. Für verlässliche Einstellwerte müssen die Bauteile und Berechnungsgrundlagen passen. Eine feste Zeitersparnis ist bislang nicht durch Praxisaufträge belegt.
Fach- und Quellenprüfung: . Alle Lernbeispiele sind eigene, vereinfachte Beispiele. Die verlinkte VdZ-Fachregel hat den Stand 07/2022; die Preisstudie stammt aus 2025.